Café EMmA: Auch Gsälz kochen steht auf der Liste

Die Bietigheimer Zeitung berichtet über unser Café EMmA – ein Mittag mit Anderen:

„Mit dem Café „EMmA“ (Ein Mittag mit Anderen) bietet die Kirchliche Sozialstation immer dienstags Senioren mit und ohne Demenz einen dreistündigen Treff an, der auf aktives Miteinander abzielt. 

Was ein Wetter heute, nee“, schimpft Petra Neumüller, schüttelt ihren Regenschirm und spannt ihn zum Trocknen auf. Heute sind sie zu viert bei der Vorbereitung vom „Café EMmA“, dem Café, welches, so die Abkürzung, immer dienstags in der Kirchlichen Sozialstation, „einen Mittag mit Anderen“ verspricht. Leiterin Stephanie Holzer, Petra Neumüller sowie Melanie Hugo und, wenig später, auch Marion Schreder-Schmidt sind in ihrem Element.

Gegen 14 Uhr kommen die ersten Gäste in den kleinen Saal im Erdgeschoss in der Heinrich-Lüth-Straße 4, und da sollte alles an seinem Platz und die Gedanken frei sein für die kommenden drei Stunden. Heute, auch wenn der Blick aus den Fenstern ins nicht enden wollende Dauergrau etwas anderes zu suggerieren versucht, ist das Thema „Wo man singt, da lass dich nieder…“ an der Reihe, und nach Kaffee und Kuchen, den die Seniorinnen und Senioren an den mit Blumenarrangements und kleinen Süßigkeiten verzierten Tischen einnehmen, werden alte Schlager gespielt.

Nachfrage übersteigt Angebot

So, wie es die meisten der zehn Gäste noch kennen – von der guten alten Vinyl-Platte. „Um uns bestmöglich um jeden einzelnen Gast kümmern zu können, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir nicht mehr als zehn Gäste beim Café EMmA aufnehmen“, sagt Stephanie Holzer und schneidet den Kuchen auf. Die Resonanz bei den Senioren sei riesig, die Nachfrage übersteige bei Weitem das Angebot von besagten zehn Plätzen, und so gibt es, bis man als ständiger Gast am Tisch Platz nehmen darf, eine Warteliste.

„Sinn und Zweck von diesem wöchentlichen Treff“, sagt Holzer, „ist das einander Begegnen, das Reden über alle möglichen Themen, aber es stehen auch andere Angebote, dem jeweiligen Motto des Nachmittags entsprechend, auf der Liste“. So wurden in den vergangenen Monaten schon verschiedene schöne Dinge gemeinsam gebastelt, Zierkürbisse wurden bemalt, im Sommer wurde miteinander gegrillt, Gsälz gekocht, und auch die Stadtbücherei war mit einem Theaterstück zu Gast – mit der „Prinzessin auf der Erbse“.

„Unser Treffen“, sagt auch Marion Schreder-Schmidt, „ist weit mehr als ein bloßes Kaffeekränzchen, sondern ein netter Treff, eine kleine Auszeit vom Alltag“. Und Stephanie Holzer ergänzt: „Wir wollen die älteren Menschen auch fordern, indem wir sie zu kleinen sportlichen Aktivitäten einladen, so haben wir vor einiger Zeit auf der Terrasse miteinander gekegelt.“

Das Café „EMmA“, auch das sei ungeschriebenes Gesetz, sei ein Treffpunkt, bei dem alle gleich seien, „alle Menschen sind gleich viel wert, und das leben und fördern wir durch dieses Angebot“, sagt die Leiterin, und fügt hinzu: „Hier darf jeder so sein, wie er ist, darauf achten wir.“

„Wir“ – das sind aktuell 15 ehrenamtlich Tätige, die das wöchentliche Treffen vorbereiten, eindecken, Kaffee kochen, dekorieren, das Ganze mit Leben erfüllen, und dann, wenn der letzte Gast, meist schon weit nach 17 Uhr, gegangen ist, alles wieder aufräumen. Es ist immer was zu tun, doch die Frauen machen es gerne, und das spürt man auch an diesem frühen Nachmittag. Heute also das Motto „Wo man singt, da lass dich nieder…“.

„Gerade bei dementen Menschen spüren wir, wenn diese ein altes Gedicht hören oder ein ihnen vertrautes Lied, dann können sie plötzlich Zeile für Zeile, Refrain für Refrain mitzitieren oder mitsingen“, freut sich Holzer. Deshalb heute auch der alte Grundig-Plattenspieler und eine kleine Auswahl an Schallplatten mit beliebten Schlagern.

Musik von Vinyl – der Haptik wegen

Denn – unabhängig davon, ob nun dement oder nicht: „Haptik ist wichtig, und deshalb lassen wir später die Platte auch reihum gehen, damit sie jeder einmal in seinen Händen hält.“ Freilich – Kaffee und Kuchen, das sei immer der Eisbrecher, den es eigentlich gar nicht brauche, denn innerhalb der Gruppe kenne man sich ja mittlerweile. Bevor dann das Programm, dem jeweiligen Motto folgend, beginnt, wird eben übers Wetter geschimpft, vom aktuellen Wohlbefinden erzählt – kurz: man redet unbefangen miteinander, kommt schnell ins Plaudern. Zehn individuelle Persönlichkeiten nehmen dann an der Kaffeetafel Platz, der jüngste Teilnehmer ist 71, die älteste aus der Gästeschar schon im 101. Lebensjahr.

Und wer – trotz Warteliste – dennoch einmal hineinschnuppern möchte, dem empfiehlt Stephanie Holzer, seine Anfrage eines Termins wegen einfach an die Sozialstation zu richten.

Dann wird er oder sie schon bald probeweise sehen, ob das muntere wöchentliche Treffen das Passende ist. Immer dienstags, zwischen 14 und 17 Uhr, im Café EMmA.“