Mit der eigenen Endlichkeit umgehen

Die Bietigheimer Zeitung berichtet:

„Die Kirchliche Sozialstation und der Hospizdienst Neckar-Stromberg bieten ab dem Juni Ehrenamtlichen einen Kurs an, in dem der Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden gelehrt wird. 

Sie wollen schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase würdevoll begleiten, deren Angehörige im Alltag, bei Problemen und auch in ihrer Trauer unterstützen und für beide Seiten den Prozess des Abschiednehmens erleichtern: 17 ehrenamtliche Kräfte zählt derzeit der ambulante Hospizdienst der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim und 23 die Partnerorganisation im Gebiet Neckar-Stromberg, das sich von Freudental über Bönnigheim bis nach Mundelsheim erstreckt. Beide ambulante Hospizdienste bieten von 26. Juni bis 13. Dezember erstmals gemeinsam einen Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleitung an, um neue Mitglieder für ihre Gruppen zu gewinnen.

„Wer im ehrenamtlichen Hospizdienst mitarbeiten möchte, sollte aufgeschlossen für alle Menschen sein, sich selbst in seinem Ehrenamt zurücknehmen können und den schwerkranken oder sterbenden Menschen und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken“, erklärt die Koordinatorin des Hospizdienstes in Sachsenheim, Christine Burkhardt.

Gewappnet für die Aufgaben?

Nicht jeder, der am Kurs teilnimmt, muss letztlich in der Hospizarbeit auch ehrenamtlich tätig sein, denn der einzelne Teilnehmer kann nach Ende des Kurses noch entscheiden, dass er für diese Aufgabe doch nicht der Richtige ist. „Die größte Herausforderung ist für die Ehrenamtlichen meist der Übergang von der Theorie des Kurses in die Praxis der ersten Sterbebegleitung. Aber dabei stehen wir als hauptamtlichen Koordinatorinnen unseren ehrenamtlichen Kräften zur Seite und wählen auch die Sterbebegleitungen gezielt aus“, schildert Julia Mattick, Koordinatorin beim Hospizdienst Neckar-Stromberg e.V.. In rund 120 Stunden erfahren die Teilnehmer des Kurses unter anderem, wie sie mit ihrer eigenen Endlichkeit umgehen können, sie lernen die unterschiedlichen physischen Phasen des Sterbeprozesses genau kennen, werden in gewaltfreier, wertschätzender Kommunikation geschult, ihnen wird die die Bedeutung von Ritualen in der Sterbebegleitung nahegebracht und sie erhalten wertvolle Tipps sowie Ratschläge für die Unterstützung der Angehörigen.

„Es kommt zunächst darauf an, herauszufinden, was der schwerstkranke oder sterbende Mensch eigentlich will, auch wenn er sich selbst nicht mehr verbal mitteilen kann. Zudem müssen die Ehrenamtlichen ihren Platz im Gefüge der Familie und der Angehörigen finden. Dabei gilt es sich selbst bewusst zurückzuhalten“, macht Burkhardt deutlich. Sie verweist darauf, dass einige Ehrenamtliche in ihrer ersten Sterbebegleitung die in der Theorie gewonnenen Erkenntnisse möglichst vielfältig in der Praxis anwenden wollen.

Doch zunächst geht es nur um den schwerstkranken und sterbenden Patienten und darum, was der Ehrenamtliche ihm geben kann, um sein zu Ende gehendes Leben für ihn so angenehm wie möglich zu gestalten. „Auch die Selbstfürsorge der Ehrenamtlichen darf nicht zu kurz kommen und sie müssen lernen, gewisse Dinge zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen“, berichtet Mattick. Dabei spiele auch die Gemeinschaft im Vorbereitungskurs auf den Hospizdienst eine wichtige Rolle, denn alle Teilnehmer entwickelten ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl und würden sich auch anschließend noch häufig zum Erfahrungsaustausch treffen, ergänzt Burkhardt.

Neben den beiden Koordinatorinnen ist auch noch Sabine Horn von der Ökumenischen Hospizinitiative Ludwigsburg beim Qualifizierungskurs als Referentin dabei. Am 18. Juni dieses Jahres findet ab 19 Uhr in den Räumen der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim ein Informationsabend für alle Interessenten statt, bei dem intensivere Gespräche im Vorfeld möglich sind. „Bisher haben für wir für beide Hospizdienste schon jeweils sieben Interessenten. Das freut uns sehr, denn der Bedarf ist groß. Aufgrund des herrschenden Pflegenotstandes wird die Begleitung und Unterstützung durch unsere Ehrenamtlichen sehr geschätzt“, berichtet Mattick.

Ehrenamtliche als Schnittstelle

Die Ehrenamtlichen sind auch in den Pflegeheimen im Einsatz, wobei sie insgesamt keine Pflegeaufgaben übernehmen, sondern die Schnittstelle zwischen Ärzten und der medizinischen Versorgung, den Pflegekräften und den Angehörigen sein können. „Daher ist es schade, dass viele Angehörigen zu spät auf unseren ehrenamtlichen Hospizdienst zurückgreifen. Sie sollten sich rechtzeitig diese Unterstützung holen. Im vergangenen Jahr habe ich 50 Beratungsgespräche geführt, aber es kam nur zu 28 Sterbebegleitungen, weil die Gespräche oftmals zu spät waren“, verdeutlicht Mattick.

Übrigens ist der Hospizdienst für beide Seiten eine bereichernde Erfahrung, denn die Ehrenamtlichen aller Altersgruppen betonen gegenüber den beiden Koordinatorinnen immer wieder, wie bewegend und berührend für sie die Begleitung der Menschen in ihrer letzten Lebensphase sei.

Unter www.hospiz-neckar-stromberg.de gibt es mehr Informationen zum Kurs zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung.“